Schweiger |Til & Mirko Stemmler

Home / Autoren & Fotografen / Schweiger |Til & Mirko Stemmler
Til Schweiger & Mirko Stemmler im Interview

„ES IST ALLES DURCHKOMPONIERT, WIE BEI MEINEN FILMEN“

Wie entstand die Idee zum Barefoot Hotel Timmendorfer Strand? Was verbindet den Betreiber Mirko Stemmler mit dem Gestalter und Namensgeber Til Schweiger? Ein Gespräch.

Hamburg und Berlin, Los Angeles und Mallorca: Gewöhnlich ist Til Schweiger an diesen Orten unterwegs. Was war Ihre Reaktion, als Sie zur ersten Ortsbesichtigung nach Timmendorfer Strand kamen?

Til Schweiger (lacht): Ich bin jemand, der viel Fantasie entwickeln kann, zum Beispiel wenn ich die Locations für meine Filme checke. Aber hier? Da fiel mir zunächst nichts ein. Vor lauter Beton. Und Bausünden. Am besten abreißen und neu bauen.

Mirko Stemmler: Das war tatsächlich auch eine der Optionen. Die JASIKA Hotelgesellschaft hatte das Haus vor Jahren übernommen, und es war inzwischen eines der letzten Hotels in unserem Immobilien-Portfolio: in die Jahre gekommen und von Grund auf renovierungsbedürftig …

Til Schweiger: Ich war im Begriff, mit einem Nein wieder abzureisen, habe mich dann aber drinnen noch ein wenig umgeschaut. Da war er dann, dieser Moment der Erleuchtung. Zwischen vielen alten Ölgemälden entdeckte ich ein Foto, das das Hotel um die Jahrhundertwende zeigt. Mit den schönen Holzbalkonen davor. Okay, wenn wir diese Atmosphäre wieder hinbekommen, dann könnte ich mir ein Engagement vorstellen.

Was für eine Art von Deal haben Sie dann geschlossen?

Mirko Stemmler: Ich bin Geschäftsführer der JASIKA Holding und wir übernehmen alle Kosten, die mit der aufwendigen historischen Rückbesinnung auch höher als ursprünglich veranschlagt ausfallen. Til ist für das Konzept verantwortlich und steuert alle Einrichtungselemente aus seiner Barefoot-Design-Linie bei.

Til Schweiger: Wo Til draufsteht, ist auch Til drin. Auch wer es immer noch nicht glaubt: Ich suche sogar die Schrauben aus.

Mirko Stemmler: Absolut! Til hat ein erstaunliches Gespür für Details, er entwirft und zeichnet ständig, sucht seine Hersteller persönlich auf, um Wünsche zu besprechen. Und das ist für mich das Elementare an unserer Zusammenarbeit. Ich habe Til als jemanden kennengelernt, der einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat. Genauso wie er seine Finca auf Mallorca oder sein Haus in Hamburg eingerichtet hat, genauso geht er hier beim Hotel vor: viel Holz, nachhaltige Materialien, erdverbundene, warme Farbtöne. Und daraus entsteht eine Atmosphäre zum Wohlfühlen, die im Übrigen auch meinem privaten Geschmack voll und ganz entspricht.

So entspannt, dass man barfuß durchs Barefoot Hotel schreiten kann?

Mirko Stemmler (lacht): Es gab im Vorfeld schon ernste Anfragen, ob es bei uns Hausregel ist, die Schuhe auszuziehen. Nein, muss man nicht! Aber solche Reaktionen bestätigen unser Konzept: Man soll sich wie zuhause fühlen.

Til Schweiger: Ich bin schon ein Leben lang in Hotels unterwegs, habe auch viele Design- und Boutique-Hotels kennengelernt. Die sind leider oft auch ungemütlich. Wenn ich mich zum Beispiel in einem Bett nicht wohlfühle, kann es passieren, dass ich die ganze Nacht kein Auge zumache. Was bringt mir dann das luxuriöse oder avantgardistische Design? Oder wenn du verzweifelt suchst, wie das Licht ausgeht? Oder du ein großes Zimmer hast, aber eine viel zu enge Duschkabine?

Wie spiegelt sich das im Barefoot Hotel wider?

Mirko Stemmler: Es ist ein Haus, das nicht die übliche Kategorisierung benötigt. Tils Lifestyle lässt sich nicht in Sternen ausdrücken. Es ist für Menschen, die das Individuelle suchen, sich gleichzeitig entspannen möchten – und das zu moderaten Preisen. Die Spanne bei unseren Zimmern reicht von 90 bis 300 Euro. Das muss man an der Ostsee auf diesem Niveau erst mal finden.

Wie stark hat sich das Innenleben verändert?

Mirko Stemmler: Mit mehr als 100 Jahren gehört das Haus zu den ältesten Bauwerken in Timmendorfer Strand. Es wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Wir haben die ursprüngliche Aufteilung mit 57 Zimmern und nunmehr 120 Betten erhalten, allerdings viele neue Wände eingezogen und das Dach nahezu vollständig erneuert. Hinzu kommen ein Spa, ein Loungebereich mit Kamin, ein Restaurant, das es bislang nicht gab, und ein Barefoot-Living-Shop.

Greifen Sie da auf die Erfahrungen mit Tils Deli in Hamburg zurück?

Mirko Stemmler: In jedem Fall. Es ist eine ähnliche Karte, ergänzt mit regionalen Gerichten. Ein Ostseegast erwartet einfach den Matjes mit Bratkartoffeln. Unser Küchenchef hat einige Zeit im Barefood Deli verbracht. Und auch Til hat höchstpersönlich gezeigt, wie er seine allseits beliebte Bolognese-Sauce macht.

Til Schweiger: Ich bin so oft wie möglich da, aber es hängt natürlich davon ab, ob ich gerade drehe. Ich bin ein Filmemacher, der nie ein ganz normales Leben führen wird. Ich hatte auch nie den Plan, unternehmerisch ein Restaurant oder Hotel zu betreiben. Das hat sich einfach ergeben, weil ich eine große Befriedigung daraus ziehe, produktiv zu sein und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Und letztlich resultieren diese Raumwelten alle aus dem ursprünglichen Impuls, meine Filmsets und die dort verwendeten Produkte auch außerhalb des Kinos erlebbar zu machen. Aus dieser Entwicklung resultierte 2014 auch die Gründung meines Onlineshops Barefoot Living. Die Ideen und das Produktbewusstsein waren ganz entscheidend bei der Planung des Delis wie des Hotels …

Mirko Stemmler: … auf Barefoot Living aufzubauen, ist ein ganz wesentlicher Punkt unseres gemeinsam weiterentwickelten Konzeptes. Es bedeutet: Wir setzen bei Tils Möbeln und Wohnaccessoires auf langfristige Partnerschaften mit Manufakturen. Die Stühle und Betten werden beispielsweise von Very Wood in der Nähe von Venedig gefertigt, die TV-Möbel in einem Familienbetrieb in Lübeck. Von Mallorca beziehen wir unsere Lampen. Und die meisten Dinge kann man im hoteleigenen Shop kaufen.

Die schwarzen Zimmertelefone sehen aus wie aus dem vergangenen Jahrhundert …

Mirko Stemmler: Das Retrodesign kommt aus England und ist innen ausgestattet mit der modernsten Technik. Das gilt für das ganze Haus. Während die Treppenstufen wie vor 100 Jahren knarzen und überall diese zeitlose Natürlichkeit vorherrscht, sind wir in digitaler Hinsicht auf dem höchsten Level. Es läuft alles über Flatscreen und Handy. Die Musikanlage von Bose ist überall im Haus ansteuerbar.

Til Schweiger: Es ist alles durchkomponiert, wie bei meinen Filmen. Ich muss mich wohlfühlen, und die Sachen sollten zusammenpassen. Mit goldenen Wasserhähnen kann ich einfach nichts anfangen. Es ist bei mir immer ein Mix aus Skandinavien, Mallorca und den amerikanischen Hamptons. Ich möchte das gar nicht näher definieren. Aber ich spüre: Diese Leichtigkeit und

das Strandhausflair passen hervorragend hierher, vom Hotel aus sind es schließlich nur ein paar Meter bis zum Meer.

Mirko Stemmler: Für mich schließt sich ein Kreis. Ich habe hier im Ort vor mehr als 20 Jahren – vor meinem Betriebswirtschaftsstudium – eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert. In der Zwischenzeit war hier vieles veraltet, doch jetzt spürt man überall neue Ansätze. Ich bin davon überzeugt, dass unser Barefoot Hotel eine starke Benchmark für die Zukunft der Lübecker Bucht setzt.

Bücher
Related Posts